zer o_c omments

dein französisch war besser und ich zu schüchtern. der typ – bomberjacke, dreitagebart, breitschultrig in meiner erinnerung – machte eine ausnahme und ließ uns in den mit gerümpel zugestellten hinterhof, führte uns dann sogar noch mit sichtlichem stolz durch die verwinkelten gänge, entlang an nicht endenden regalreihen mit spiegeln, drittklassigen gemälden, puppen, gerippen, tassen und gläsern, büsten von marx, beethoven, napoleon, fernschreibern (oder was immer das für geräte waren), und in der mitte von all dem der kopf eines einhorns. jeder dieser gegenstände hatte vermutlich eine geschichte, war von händen betastet worden, verloren gegangen, gestohlen, zurückerobert, nachlässig vergessen oder achtsam gehütet.

ich werde diesen ort nie wiederfinden, weil wir uns hierher planmäßig verliefen. nur dass drei schritte weiter eine bar ist, weiß ich, in deren schatten wir ein wort nachschlugen, das der breitschultrige benutzte und uns nicht geläufig war: chineuse. es war eine bar, in der man ein wort nachschlagen konnte. der inhaber hievte den larousse vom obersten regalbrett hinunter, wobei er, ein älterer herr, dem haare aus den knorrigen ohren quollen, sich auf die zehenspitzen stellen und lang ausstrecken musste.

wir waren ein wenig betrunken und sehr heiter. wir verliefen uns weiter und stritten erst viel später. der kaffee war dünn und – die haut war dünn. es ging wieder um ein wort, glaube ich. aber ich kann mich nicht so gut erinnern.


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(2) das apartment: ein winziges räumchen in montmartre. ein ausklappsofa, eine balkontüre, eine niedliche küche und an der wand ein großes bild, das einen weißen tiger hinter einem überlebensgroßen damenschuh zeigt. nachdem der besitzer seinen motoradhelm wieder aufgesetzt, und die tür hinter sich geschlossen hat (am schlüsselbund hängt ein kleiner eiffelturm), hängen wir als erstes das kitschige gemälde ab.

eine zigarette im hof. oben ein kleines quadrat nachthimmel. nicht mehr als eine dunkelgraue leinwand, das licht der stadt müde reflektierend. vom regen nur ein geräusch, das uns umhüllt und schläfrig macht.

es ist nicht mehr ganz früh. zum glück gibt es kaffee. ich sehe dir verschlafen durch die balkontüre zu, wie du die morgenluft probierst und so tust, als bemerktest du mich nicht. vor der tür ist die rue chappe und zwei straßen weiter gibt es sehr gute croissants, angeblich die besten der stadt. sie sind mit viel butter gebacken, und ich breche mit genuss einen vorsatz nach dem anderen. noch sind wir nicht wieder daheim. noch sind wir eben erst angekommen.

vor einer minderbekannten art-nouveau-kirche nahe abbesses spielt ein schlecht gealterter jimi-hendrix-impersonator auf einer elektrischen gitarre. er begleitet seinen helden von cd. sein schmerbauch leuchtet hin und wieder unter falten bunten stoffes hervor. der zweite kaffee und irgend ein anderes köstliches gebäck (ich kann mir all die namen nicht merken) und wir teilen uns noch eine zigarette. ich habe keine eile, hier fortzugehen und lasse es auf eine zugabe ankommen.

als erstes besuchen wir einen friedhof. am übergang zum 19. arrondissement nehme ich ein verwackeltes foto vom metroschild «stalingrad» für die antideutsche pferdefreundin auf. von den vielen gräbern berühmter verstorbener auf père-lachaise kein einziges gefunden, was daran liegen mag, dass wir nicht ernsthaft suchen, sondern den wegen folgen, die sich darbieten. das soll ohnehin das prinzip unseres besuches sein. chinesische doktoren, eine madame l'ambassadeur, ehrentitel und ehrenzeichen, mitgenommen ins grab. ich nehme mir vor, herauszufinden, wer jacqueline giraud gewesen ist. eine weibliche angehörige der ehrenlegion scheint mir ungewöhnlich. vielleicht ist sie trägerin einer besonderen geschichte. zumindest das netz hat keine verwertbare spur.

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