zer o_c omments

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eine unbedeutend gebliebene episode.

wie ich in der trambahn, statt im mitgebrachten taschenbuch zu lesen, die zeit damit vergeude, aus dem fenster zu sehen und meinen jüngsten lieblingsgram zu schüren, da bewegt sich zwei reihen vor mir ein schemen, verdichtet sich erst zu einer figur, dann zu einer frau, dann zu einer jungen frau, die in einen apfel beißt.

dass sie dabei sehr münchnerisch aussieht, liegt an dem braunen schlapphut mit der breiten krempe auf ihrem kopf und an der hilfiger-tasche über ihrer schulter. wie die münchnerin auf ihren apfel blickt, scheint sie über sich selbst erstaunt: «schau, schau, ich beiße in diesen apfel hinein. hier ist meine hand, dort das weiße fruchtfleisch und – das bittere da, das muss ein apfelkern sein, nicht wahr?»

«natürlich, das ist ilse. wann hatte ich sie…? vor zehn jahren vielleicht zuletzt.» etwas in der art folgern über diese szene meine trägen gedanken, als ich beginne, dem schemen sinn und gestalt zu geben.

hinter der scheibe sehe ich ilse als rückenfigur; wie auf leinwand als establishing shot, in dessen hintergrund sich der sichtbeton des mehrzweckhochhauses auftürmt. ankunft nach langer reise. der zug hält an. die beine der protagonistin steigen das wagontreppchen hinab. optimismus der ankunft und nostalgie der wiederkehr. sie hält den hut fest, der fortzuwehen droht.

das oder etwas ganz anderes hätte sie erzählen können. ich zögere. steige eine station später aus, laufe zurück. natürlich ist dort nur ein leerer parkplatz.

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geschichten, die man zu erzählen vergisst: wie ich einmal in burlington, vermont, betrunken auf einer bordsteinkante saß und auf p. wartete, der immer noch viel zu wach war für meinen geschmack. am ende der nacht waren wir in diesem studentischen club gelandet und p. drückte mir ständig neue kunststoffbecher mit klebrigen mixgetränken in die stumpfen finger, während ich schon längst versuchte, mich mit wasser zu stabilisieren. wie p. und ich es viel zu sehr darauf abgesehen hatten, es auf jemanden abzusehen. aber jetzt war ich ohnehin zu keinem move mehr im stande und konnte diese eine irre schöne gestalt, die sich, in musik wiegend, in den laden hineinprojiziert hatte, nicht mehr als nur noch bestaunen. bis endlich auch das zu anstrengend wurde. auf der ecke des bürgersteigs war es aber ok, fand ich. nur eine zigarette fehlte, um die resignation so richtig auszukosten. als ich mich gerade umsehen wollte for someone to bum a cigarette off, das aufgestützte kinn nach oben reckte, stand da die erscheinung von vorhin, schob ihre ebenso anhängliche wie sichtlich genervte begleitung beiseite und drückte mir erst einen kuss auf den mund, dann eine dollarnote in die hand.

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